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Einrichtung eines Berufsorientierungsbüros

Konzept - Zukunft Fördern (2009 )

Modul 1 – Einrichtung eines Berufsorientierungsbüro (BOB) an der Christophorusschule Bonn (03 / 2009)

1. Situationsanalyse und Problemstellung

Berufsvorbereitung an der Christophorusschule

Die Christophorusschule in Bonn unterrichtet und fördert derzeit etwa 235 Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen körperlichen und motorischen Beeinträchtigungsbildern und –ausmaßen. Sie werden in unterschiedlichen Bildungsgängen im Klassenverband unterrichtet.

Bildungsgänge:

  • Hauptschule ( 10 A und 10 B )
  • Förderschwerpunkt Lernen ( auch Hauptschulabschluss nach Klasse 9 )
  • Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

Ca. zweidrittel der Schülerinnen und Schüler sind der Gruppe der so genannten schwerstbehinderten Schüler (§ 10 AO-SF) zugeordnet. Von einem interdisziplinären Team aus Fachkräften (Sonderpädagogen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Krankenschwerstern) werden die Kinder und Jugendlichen individuell auf der Grundlage eines ganzheitlichen Ansatzes gefördert. Die Aspekt der Beratung, Kommunikation, Information und Kompetenzanalyse spielen im Konzept der Berufsvorbereitung der Christophorusschule eine große Rolle. Der Themenbereich der Berufsvorbereitung an der Christophorusschule, in der Klasse 8 bis 10, ist im Schulprogramm klar definiert und im Anhang schwerpunktmäßig dargestellt.

Problemstellung

Trotz dieser vielfältigen innerschulischen Maßnahmen zu Berufsvorbereitung und der intensiven Vernetzung mit der Arbeitsagentur und mit dem IFD kommt eine aktuelle Datenerhebung der Schule zu folgenden Ergebnissen. Ungefähr 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler wurden direkt nach der Schule in eine Werkstatt für behinderte Menschen aufgenommen, etwa 27% besuchten im Anschluss an die Schule unterschiedliche Förder- und Bildungsmaßnahmen. Zwei Jahre später arbeiteten 3/4 der ehemaligen Schülerinnen und Schüler in der Werksatt für behinderte Menschen, weitere 12% arbeiten ebenfalls in geschützten Arbeitsplätzen. Nur 11% gelang die berufliche Integration in eine Berufsausbildung, eine Anlerntätigkeit oder als Arbeiter/ Angestellte.

In diesen Zahlen und an den Erfahrungen der letzten Jahre zeigt sich, dass viele unserer Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend auf die Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes vorbereitet sind und letztendlich daran scheitern. Aus diesem Grund sucht unsere Schule nach weiteren Fördermöglichkeiten, um die Schülerinnen und Schüler noch intensiver auf die nachschulische Arbeitswelt des ersten Arbeitsmarktes vorzubereiten. Bisher wird das Material und die Medien für den Bereich der Berufsvorbereitung an verschiedenen Stellen innerhalb der Christophorusschule aufbewahrt. Beratungsgespräche werden in verschiedenen Räumen geführt. Internetrecherchen zur Berufsvorbereitung werden entweder im Computerraum oder in der Klasse durchgeführt. Berufsorientierte Kompetenzanalysen werden in der Regel im Rahmen des Klassenunterrichtes durchgeführt. Alle diese Aspekte möchten wir zusammenführen. Deshalb möchten wir den Bereichen Beratung, Kommunikation, Information und Kompetenzanalyse innerhalb des Konzeptes der Berufsvorbereitung der Christophorusschule einen größeren und professionelleren Rahmen - einen eigenen Raum – geben, ein Berufsorientierungsbüro (BOB)!

2. Projektziel

Mit dem Berufsorientierungsbüro soll die Christophorusschule eine zentrale Anlaufstelle erhalten, in der alle Maßnahmen der Berufsorientierung zusammengeführt werden. Schwerpunkte sind dabei die Aspekte Beratung, Kommunikation, Information und Kompetenzanalyse. Das Projekt soll einen wesentlichen Beitrag leisten, dass mehr Schülerinnen und Schülern der Christophorusschule eine Perspektive auf dem ersten Arbeitsmarkt, in vollwertigen Ausbildungsberufen und in Helferberufen haben.

3. Konkrete Projektinhalte

Beratung

Das Berufsorientierungsbüro soll den Rahmen, den Raum geben, für das Beratungsnetzwerk der Christophorusschule in das verschiedene außerschulische Partner eingebunden sind, z.B.:

  • Agentur für Arbeit (AA)
  • Integrationsfachdienst (IFD)
  • Werkstatt für behinderte Menschen (WFBM)
  • Betriebe aus der Region, als Anbieter von Praktikums- und Ausbildungsplätzen
  • Berufsbildungswerke

Schulinterne Beratungsschwerpunkte, z.B.:

  • Beratung der Schülerinnen und Schüler durch die Berufsvorbereitungskoordinatoren
  • Beratung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Berufsvorbereitungskoordinatoren
  • Beratung der Eltern durch die Berufsvorbereitungskoordinatoren

Kommunikation

Das Berufsorientierungsbüro ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen der Berufsfindung. Als Ansprechpartner stehen im BOB die Berufsvorbereitungskoordinatoren der Christophorusschule an festen Beratungsterminen zur Verfügung. Somit verfügt das BOB über einen „Arbeitsplatz“ für die Berufsvorbereitungskoordinatoren. Es wird eine Datenbank, z.B. zur Suche von Praktikums- und Ausbildungsplätzen, angelegt. Mustervorlagen für die Erstellung von Praktikumsberichten und Musterbewerbungen werden hier gebündelt. (Laptop, Drucker, Schreibtisch, etc.)

Information

  • Der Bereich der Information soll ebenfalls im Berufsorientierungsbüro einen eigenen Raum erhalten, d.h. alle Informationsmaterialien werden hier gebündelt den Schülerinnen und Schülern zugänglich gemacht. -> Mediothek! (Abschließbare Schränke, Vitrinen, Pinwände etc.)
  • Weiterhin soll ein barrierefreier Zugang zum Internet den Schülerinnen und Schülern den Zugang zu Informationen aus dem Bereich der Berufsvorbereitung zu erleichtern. (Höhenverstellbarer Schreibtisch, PC mit Spezialansteuerungen, Drucker, etc.)

Kompetenzanalyse

Materialien zur Kompetenzanalyse im Bereich der Berufsorientierung werden im BOB zusammengetragen und gebündelt. Individuelle Kompetenzanalysen und Testverfahren werden im BOB durchgeführt. (Weitere Materialien zur Kompetenzanalyse werden angefertigt.)

4. Ziel- bzw. Schülergruppe der Maßnahme

Alle Schülerinnen und Schüler, sowie Mitarbeiter und Eltern der Christophorusschule aus den Klassen 8 und 10 nehmen an dem Projekt teil. Auch jüngere Jahrgänge haben bereits die Möglichkeit erste Information zur Berufsorientierung im BOB zu erhalten. Dabei handelt es sich um Schülerinnen und Schüler in den Bildungsgängen:

  • der Hauptschule (10 A und 10 B)
  • der Förderschwerpunkt Lernen (auch Hauptschulabschluss nach Klasse 9)
  • Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

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Ansprechpartner:

Jürgen Hammerschlag-Mäsgen (Konrektor)
Ingo Schrot und Angelika Weingarten (Berufswahlkoordinatoren)
Christophorusschule,
LVR - Förderschule,
Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung
Waldenburger Ring 40,
53119 Bonn,

Tel.: 0228/987940,
Fax: 0228/

E-Mail: j.hammerschlag-maesgen@lvr.de

Schwerpunktmäßige Darstellung des Schulprogrammbausteins „Berufsvorbereitung“ der Christophorusschule

Ab Klasse 6:

  • „ Starke Seiten“ Einführung einer individuellen Dokumentation über mehrere Schuljahre

Ab Klasse 7:

  • Unterrichtsfach „Arbeitslehre“ ( Wirtschaftslehre, Hauswirtschaftslehre, Technik )
  • Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten, Interessen und Stärken

Ab Klasse 8:

  • fächerübergreifende Einbindung der Berufsvorbereitung in den Fächern Arbeitslehre und Deutsch mit Bewerbungstraining ( Lebenslauf, Bewerbung, )
  • Bearbeitung von Informationsmaterial zu verschiedenen Berufsgruppen
  • individuelle Anlegung des modifizierten Berufswahlpasses
  • Kommunikationstraining als Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch

„Fit for job“ – Arbeit in den Projektgruppen ( 3 Unterrichtsstunden pro Woche ):

  • Verkauf/Verwaltung (Kleine Welt Laden )
  • Fahrradwerkstatt
  • Holzwerkstatt
  • Hauswirtschaft/Küche
  • Büro

mit dem Ziel: Erwerb von Schlüsselqualifikationen, Vorbereitung auf Schülerbetriebspraktika, Berufsorientierung und -findung

Vorbereitete und begleitete Praktika

Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang der Hauptschule, sowie Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang Lernen:

1. Praktikum

  • in der 8. Klasse
  • ausgehend von Interessen und Vorstellungen der Schüler
  • Dauer: 1-3 Wochen

2. Praktikum

  • in der 9. Klasse
  • orientiert an möglichen Arbeits- und Berufsfeldern der Schüler
  • 1 – 3 Wochen

Optional: Durchführung eines 3. Praktikums in der 10. Klasse

Werkstatttag für Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang Geistige Entwicklung

  • an einem Tag in der Woche – 7 Unterrichtsstunden
  • für Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang Geistige Entwicklung, ab der Klasse 8
  • Arbeit angelehnt an Bedingungen der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) mit verkürzten Pausenzeiten und Essen in einer „Kantine“
  • zur Zeit 3 Arbeitsbereiche (Kochen/ Hauswirtschaft, Computergruppe, Fördergruppe in Anlehnung an den Arbeitsbereich für Schwerstbehinderte in der WfbM)

Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang Geistige Entwicklung:

1. Praktikum

  • im 10. Schulbesuchsjahr
  • in einer Werkstatt für behinderte Menschen oder auf dem ersten Arbeitsmarkt
  • Dauer: 1 - 3 Wochen

2. Praktikum

  • im 11. Schulbesuchsjahr
  • in einer Werkstatt für behinderte Menschen im Berufsbildungsbereich oder in einem Förderbereich
  • Dauer: 1 - 3 Wochen

Begleitend zu ihren Praktika erstellen die Jugendlichen Praktikumsberichte. In der Sekundarstufe erhalten die Schüler entsprechend der jeweiligen Klassenstufen bzw. Bildungsgängen differenzierte Arbeitsaufträge für ihre Praktikumsberichte.

  • Beratung durch die Agentur für Arbeit (AA) und den Integrationsfachdienst (IFD)

Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang der Hauptschule, sowie Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang Lernen:

  • In der Klasse 8:
    Informationsveranstaltung für Schülerinnen und Schüler, sowie Erziehungsberechtigte durch Berufsberater der AA und des Integrationsfachdienstes.
  • Beginn der Klasse 9:
    erste individuelle Beratungsgespräche mit Schülerinnen und Schülern, Erziehungsberechtigten und Lehrkräften durch Berufsberater der AA und eventuell IFD in der Schule.
  • Mitte der Klasse 9:
    Psychologischer Eignungstest in der Schule durch Psychologin der AA unter Einbeziehung der schulischen Kompetenzanalysen
  • Ende der Klasse 9:
    zweites individuelles Beratungsgespräch mit Schülerinnen und Schülern, Erziehungsberechtigten und Lehrkräften in der Schule durch Berufsberater der AA und eventuell IFD auf Grundlage der Ergebnisse des psychologischen Eignungstestes und aktueller medizinischer Befunde
  • Vermittlung der Jugendlichen in nachschulische Maßnahmen durch AA

Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang Geistige Entwicklung:

  • Eventuell im 10. Schulbesuchsjahr:
    Beratung durch den IFD, sofern für die Schülerin oder den Schüler Perspektiven auf dem ersten Arbeitsmarkt realistisch erscheinen
  • Mitte des 11. Schulbesuchsjahres:
    individuelle Beratungsgespräche mit Schülern, Erziehungsberechtigten und Lehrkräften durch Berufsberater der AA in der Schule und Vermittlung der Jugendlichen in nachschulische Maßnahmen durch AA, in der Regel in eine Werkstatt für behinderte Menschen im Berufsbildungsbereich oder im Arbeitsbereich für Schwerstbehinderte